St. Galler Tagblatt Gossau vom 2. September 2010

Mamis besuchen Spielgruppen

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Im «Bärehüsli»: Schulrätin Regula Wirth mit den Spielgruppenleiterinnen Vreni Ruggle, Helena Himmelberger, Kathrin Loretini, Beatrice Kern (v. l.), Barbara Koster (vorne). Bild: Michel Canonica

GOSSAU. Möglichst viele Buben und Mädchen sollen in Spielgruppen auf den Kindergarten und die Schule vorbereitet werden. Eltern sollen ihre Kinder in die Spielgruppe begleiten. Die Schule hat ein entsprechendes Förderprojekt lanciert. rita bolt

Gurki und Peperonata wollen zu den Kindern zum Znüni. Der Lolli darf nicht mit, weil Fräulein Zahnbürstli keine Zeit hat, um mitzukommen: Dieses Figurentheater werden nicht nur die Kinder in den Spielgruppen sehen und hören, sondern auch ihre Mamis oder Papis. Gemeinsam sollen Kinder und Eltern die Spielgruppe erleben – drinnen oder auch in der Waldspielgruppe. Die ersten Themen der Eltern-Kind-Förderung, die vom 18. bis 22. Oktober in den Gossauer Spielgruppen behandelt werden, sind Ernährung, Schlafen und Gesundheit. Das neue Projekt Eltern-Kind-Förderung hat der Gossauer Schulrat lanciert. Er wird dabei von den Spielgruppen Bärehüsli sowie den beiden Waldspielgruppen Matterwald und Buechi tatkräftig unterstützt. Eltern und Kinder werden aber nicht nur die Geschichte von Gurki und Peperonata hören und sehen, sondern werden zusammen Gurken und Peperoni rüsten und aus Gemüsestücken Spiessli machen.

Freundschaftlicher Umgang

Die Schule Gossau will Kinder gezielt auf den Kindergarten und die Schule vorbereiten. «In Spielgruppen kann bereits sehr gute Integrationsarbeit geleistet werden», sagt Schulrätin Regula Wirth. Die Spielgruppenleiterinnen teilen diese Meinung. Integrationsarbeit sei aber nicht nur bei fremdsprachigen Kindern angesagt. Auch hier geborene Kinder hätten durchaus Nachholbedarf. Als Beispiel nennen die Spielgruppenleiterinnen den Ablösungsprozess: «Die Mütter verunsichern ihre Kinder, indem sie keine klare Ansagen machen. Sie verabschieden sich beispielsweise unbewusst mehrere Male, ohne die Spielgruppe wirklich zu verlassen. Mit dieser Haltung überfordern sie das Kind.» Auch werde immer wieder festgestellt, dass Eltern auf einer zu freundschaftlichen Basis mit ihren Kindern umgingen. Kinder brauchen Grenzen: Davon sind die Spielgruppenleiterinnen überzeugt. In der Spielgruppe könne aber auch das soziale Verhalten gefördert werden, sagt Helena Himmelberger von der Waldspielgruppe Buechi, die im Buechenwald «zu Hause» ist. Sie hat unter freiem Himmel schon verschiedene Erfahrungen gemacht. Sie freue sich, wenn sie sehe, wie die Kinder mit Holz und anderen Naturmaterialien im Wald spielten. Dass nicht jedes Kind den Drang verspüre, in einer Waldspielgruppe mitzumachen, sei für sie nachvollziehbar, sagt Kathrin Loretini, die sich mit «ihren» Kindern im Matterwald vergnügt. Denn es sei nicht jedermanns Sache, bei Wind und Wetter draussen zu spielen. Die Kinder, welche die Waldspielgruppen besuchen, sollen von ihren Eltern ebenfalls einen halben Tag begleitet werden.

Defizite wettmachen

«Die Anregung, sich mit Integrations- und Sozialisierungsarbeit zu beschäftigen, erhielt der Schulrat von den Kindergärtnerinnen», sagt Regula Wirth. Die Kindergärtnerinnen stellen immer wieder fest, dass einzelne Buben und Mädchen nicht still sitzen können oder ganz allgemein sich nicht in der Gruppe integrieren können. Und teilweise auch die Sprache nicht oder schlecht beherrschen. Defizite würden auch bei Eltern festgestellt, beispielsweise bei den Znünis. Diese Defizite sollen in der Spielgruppe wettgemacht werden.

Austausch über Erziehungsfragen

Der Schulrat und die Spielgruppenleiterinnen wollen zukünftig kräftig die Werbetrommel für die Spielgruppen rühren. Und für Eltern, die ihre Kinder in die Spielgruppe schicken, beliebt machen, sich am Eltern-Kind-Projekt zu beteiligen. «Wir alle wollen für unsere Kinder nur das Beste», sagt Barbara Koster, die selber Mutter ist. Ein halber Tag in der Spielgruppe zusammen mit dem Kind sei sicher eine Bereicherung, sind die Spielgruppenleiterinnen überzeugt (siehe Kasten). Denn es findet in einem zweiten theoretischen Teil auch ein Austausch über Erziehungsfragen statt.

 

Der Gossauer Schulrat hat sich für die Eltern-Kind-Förderung in Wittenbach und auch in St. Gallen erkundigt. Die positiven Erfahrungen an beiden Orten haben den Schulrat motiviert, ein solches Projekt in Gossau zu lancieren. In Gossau finden unter dem Titel «Ernährung, Schlafen, Gesundheit» vom 18. bis 22. Oktober Eltern-Kind-Tage in den Spielgruppen statt. «Spiel, Freizeit und Sprache» sind die Themen, die vom 25. bis 29. April 2011 genauer angeschaut werden. Zudem findet noch eine Abendveranstaltung ohne Kinder statt. (rb)

 

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